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  • Die Glocken von St. Joseph-Schalke
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    Die Glocken von St. Joseph

    1. Geläute 1899-1917

    Im Jahr 1894 wurden bei der Glockengießerei F. Otto in Hemelingen bei Bremen Glocken bestellt, die dem Geläute der St- Laurentius-Kirche in Elberfeld entsprechen sollten. Bereits 1894 hatte man mit der Vorauszahlung in Raten begonnen, wie aus dem alten Auftragsabrechnungs- und Kassenbuch der Glockengießerei  F. Otto in Hemelingen hervorgeht.

    Die neuen Glocken waren ein sogenanntes Te-Deum-Geläute und hatten die fünf Töne

    b`,  c`,  d`,  f`,  g`, des Aufgesangs vom Ambrosianischen Lobgesang, dem Te Deum. Sie hatten folgende Namen:

    • St. Josef, als Kirchen- und Pfarrpatron
    • Die Gottesmutter Maria unter dem Titel: Maria Regina
    • Hl. Papst Leo dem Großen, als Namenspatron des regierenden Papstes Leo XIII.
    • St. Hubertus, als Namenspatron des amtierenden Paderborner Bischofs Hubert Simar,
    • St. Antonius von Padua, als Namenspatron von Pfarrer Anton Kemper, der diese Glocke der Gemeinde als sein persönliches Geschenk übergab.

    Nach über 100 Jahren erhielten wir eine Postkarte aus dem Archiv der Glockengießerei Otto, auf dem die drei größten Glocken des Geläutes zu sehen sind. Eigentlich sollte die größte Glocke (links) dem Hl. Joseph geweiht sein - auf der linken Glocke kann man aber die Worte MATER und VIRGO erkennen, was eher auf Maria hinweisen würde und auf der kleineren rechten Glocke kann man JUDA und DAVID erkennen,  was auf den Hl. Joseph hinweist. Aber noch besser ist die Schrift der mittleren Glocke zu erkennen, hier ist deutlich ANNO MDCCCXCIV (=1894=Auftragsjahr) zu lesen.

    In der Sylvesternacht 1899/1900 läuten zum 1. Mal die neuen Glocken der noch jungen St. Josefs-Kirche. Aber schon 1917 werden sie im 1. Weltkriegs zu Kriegszwecken zwangsweise eingezogen.


    2. Geläute 1923-1943

    Im Frühjahr 1923 erhält die Kirche ein neues Bronzegeläut, das dem alten Te-Deum-Geläut nachgegossen wurde. Hergestellt wurden sie ebenfalls in der Glockengießerei F. Otto in Hemelingen bei Bremen.

    ^ Die drei größten Glocken auf dem Kirchplatz von St. Joseph 

    Die fünf Glocken erhielten folgende Namen:

    1. Die größte bekam wieder den Namen des Pfarr- und Kirchenpatrons St. Josef,

    2. Die 2. Glocke wurde wie zuvor der Gottesmutter Maria als Friedenskönigin geweiht.

    3. Die dritte Glocke erhielt den Namen des Hl. Benedikt, dem Namenspatron des Heiligen Vaters, Papst Benedikt XV., der im Jahr zuvor starb.Die Friedhofsglocke von 1929

    4. ? (Evtl. Caspar, nach dem Namenspatron des 1923 amtierenden Paderborner Bischofs Caspar Klein)

    5. ? Diese kleine Glocke von 1929 überlebte den Krieg und hängt heute im Glockenturm des Schalker Friedhofs, siehe Foto rechts >.

    Die Inschrift der Glocke ist z. Zt. leider nicht zu entschlüsseln. Deutlich ist aber das Firmenzeichen der Glockengießerei F. Otto in Hemelingen (links) zu erkennen.

    Nur 20 Jahre später, der 2. Weltkrieg ist 1943 bereits im 4. Jahr, wurden auch diese Glocken zwangsweise zu Kriegszwecken eingezogen, jetzt als sogenannte "Buntmetallspende" deklariert. Eine kleine Glocke kann bleiben. Aber ein Jahr später sinkt die Kirche im schwersten Bombenangriff auf Gelsenkirchen in Schutt und Asche.


    3. Geläute 1953-heute

    Am Sonntag, dem 27. September 1953 hieß es in den Vermeldungen: „Nun ist es soweit! Unsre neuen Glocken kommen Freitag, den 2. Oktober 1953, hier an. Samstag ab 15.00 Uhr werden dieselben zur allgemeinen Ansicht und Freude durch die Gemeinde gefahren. Männer mit Sammelbüchsen werden dabei sein, ein kleines Opfer für die Glocken zu erbitten. Sonntagnachmittag wird Herr Propst Riekes im Auftrag des Hochwürdigsten Herrn Erzbischofs von Paderborn die Glockenweihe vornehmen, da der neue Weihbischof Dr. Hengsbach durch eine wichtige Tagung in St. Meinolf am Möhnesee verhindert ist. Im Laufe der Woche werden die Glocken im Südturm montiert, so dass am Samstag, dem 10. Oktober 1953, erstmalig in feierlicher Weise nach vielen Jahren wieder wohlklingendes Glockengeläute über die Dächer der Gemeinde Schalke erklingt, die Herzen erheben und zur Feier des Sonntags einstimmen wird."

    Pfarrer Kohle bei der Ansprache vor vier der fünf neuen Glocken

    < Pfarrer Kohle bei der Ansprache vor vier der fünf neuen Glocken im Jahr 1953

     

     

     

     

     

     

       

    ^ Die fünf neuen Glocken erhielten nacheinander ihren Platz im Turm

    Entsprechend der Ankündigung vollzog sich die Weihe der fünf Glocken:

    Die größte erhielt den Namen des Pfarr- und Kirchenpatrons St. Josef,

    die zweite den der Gottesmutter Maria,

    die dritte den des Hl. Bischofs Konrad von Konstanz, in dankbarer Erinnerung an Dechant Konrad Hengsbach, der 1 Jahr zuvor verstarb,

    die vierte den des Hl. Alfons Maria von Liguori, der Stifters des Redemptoristenordens war, — deren Anschaffung der Namensträger des Heiligen, Alfons Hüning aus Heßler ermöglicht hatte -,

    und die fünfte den der Hl. Jungfrau und Märtyrerin Barbara, der Patronin der Bergleute.


    Es war das dritte Mal, dass in den Türmen von St. Joseph Glocken hochgezogen und montiert wurden. Die beiden bronzenen Glockenfamilien aus der Glockengießerei in Bremen hatten die beiden Weltkriege wegen ihres Materialwerts als Opfer aus ihren Turmkammern geholt. Die neuen Glocken stammten aus Oberbayern, aus Erding b. München, sie waren sogenannte Euphonglocken. Sie wurden aus einer Metallmischung von 78 % Kupfer, 14 % Zink und 8 % Silikate hergestellt und sollten vom Material her dauerhafter sein. Ausschlaggebend war jedoch auch die hohe Klangqualität der Glocken und der relativ günstige Preis, der um 38 % unter dem Preis von Bronzeglocken lag.

    „Ihr Metall", so hieß es am 5. Oktober 1953 in den Ruhr-Nachrichten, „ist in einer Mischung zusammengesetzt, die auch wohl hier in einigen Tagen den Ruf besonderen Wohlklangs rechtfertigen wird."

    Nr. Name

    Guss-

    jahr

    Glocken-

    Gießer    -     Ø cm

    Gewicht
       (kg)
    Nominal
    1 St. Joseph 1953 Czudnochowski  - Ø 167,0   2.190  b° ±â—¦
    2 Hl. Maria 1953 Czudnochowski  - Ø 149,5   1.550  c´ ±â—¦
    3 Hl. Konrad, Bischof 1953 Czudnochowski  - Ø 134,5   1.166  d´ ±â—¦
    4 Hl. Alfons Maria v.Liguori 1953 Czudnochowski - Ø 112,5     700  f´  ±â—¦
    5 Hl. Barbara 1953 Czudnochowski  - Ø 102,0     536  g´ ±â—¦

    Geläutemotive der Glocken von St. Joseph-Schalke

    Glocken I-V
    • Veni, Creator Spiritus, Hymnus Vesperae Pentecostes (Gotteslob Nr. 240)
     
    Glocken I-IV
    • Freu dich, du Himmelskönigin (Gotteslob Nr. 576)
    • Lobe den Herren (Gotteslob Nr. 258)
    • Nun jauchzt dem Herren, alle Welt (Gotteslob Nr. 474)
     
    Glocken I, III-V
    • Salve regina, Marianische Antiphon (Gotteslob Nr. 570)
    • Wachet auf (Gotteslob Nr. 110)
    • Wie schön leuchtet der Morgenstern (Gotteslob Nr. 554)
    • Singen wir mit Fröhlichkeit (Gotteslob Nr. 135)
    • Gottheit tief verborgen (Gotteslob Nr. 546)
     
    Glocken II-V
    • Christ ist erstanden, (Gotteslob Nr. 213)
    • Victimae paschali laudes, Sequenz Dominica Resurrectionis (Gotteslob Nr. 215)
    • Nun bitten wir den Heiligen Geist, (Gotteslob Nr. 248)
     
    Glocken I-III
    • Pater noster (Gotteslob Nr. 378)
    • Maria, breit den Mantel aus, (Gotteslob Nr. 949)
    • Requiem, Intr. Missa Pro Defunctis
    • Vidi aquam, Antiphon Tempore Paschali (Gotteslob Nr. 424, 2)
     
    Glocken III-V
    • Te Deum-Motiv
     
    Glocken II-IV
    • Gloria-Motiv
     
     
    Bei den Geläutemotiven werden die Liedanfänge angegeben, die in den Glockentönen enthalten sind.
    Bei der Geläutemotivangabe kann eine automatische Anlage behilflich sein.

    Die Glockengießerei Bachmayr in Erding bestand bis Anfang der 70er Jahre  des 20.  Jahrh. und firmierte zuletzt unter dem Namen Karl Czudnochowsky.

    Glocken aus dieser traditionsreichen Werkstatt waren in ganz Bayern wegen ihres Wohlklangs bekannt und beliebt. Auch die Münchener Frauenkirche erhielt eine Nachkriegsglocke aus dieser Gießerei.


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    Sollten Sie noch ergänzende Informationen oder Bilder haben, so wenden Sie sich bitte per Mail an: h-deckers(at)gmx.de  (at)=@, vielen Dank

    Farb-Foto 1. Geläute: © Gerhard Reinhold, Archiv Glockengießerei F. Otto

    SW-Foto   1. Geläute: © Pfarrarchiv St. Joseph

    SW-Fotos 2. & 3. Geläute:  © Pfarrarchiv St. Joseph

    sonstige Farb-Fotos: © 2010 Hubert Deckers

    Texte: H. Deckers

    Quellen:

    • Pfarrarchiv St. Joseph-Schalke
    • "Schalke 91" von Professor Dr. Hans Jürgen Brandt
    • Glockenbücher des Bistums Essen