Warning: Invalid argument supplied for foreach() in /home/www/doc/9185/joseph-gelsenkirchen.de/www/inc/sidebar.inc.php on line 62
  • Hildegard Bienen - Werke einer gro├čen K├╝nstlerin in unserer Pfarrgemeinde
  • <  Zurück zur Hauptseite

    Hildegard Bienen

    Werke einer grossen Künstlerin in unserer Pfarrgemeinde

    Wer heute im Bistum Essen eine katholische Kirche betritt, wird dort auch mit hoher Wahrscheinlichkeit Werke von Hildegard Bienen finden. Die Autodidaktin, die vorwiegend sakrale Plastiken, Kirchenfenster und kirchliche Einrichtungs-gegenstände schuf, hat alleine im Bistum Essen für über 100 Kirchen Teile der Einrichtung gestaltet, so z.B. Altäre, Tabernakel, Taufbecken, Kreuzwege, Glasfenster, Altarkreuze und Portale.

    Hildegard Bienen wurde am 17.09.1925 in Duisburg-Walsum geboren. Im Alter von 25 Jahren besuchte sie Pfarrer Winkelmann in Marienthal, um ihm zwei ihrer Arbeiten zu präsentieren - eine Kreuz­wegstation und einen Erzengel Michael - und sein Urteil zu hören. Pfarrer Winkelmann war begeis­tert von diesen Werken und wollte Hildegard Bie­nen mit der Anfertigung eines Grabsteins beauf­tragen. Pfarrer Augustinus Winkelmann war in Marienthal als Gemeindepfarrer tätig, er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, junge Künstler zu fördern, indem er ihnen eine Klosterzelle als Unterkunft anbot und sie gegen Verköstigung Werke für Kirche, Klostergebäude und Friedhof erarbeiten ließ. Im Jahr 1963 bekam Hildegard Bienen die gesamte Innengestaltung der St. Petrus Canisius-Kirche in Recklinghausen übertragen, ein großer Auftrag, mit dem sie bekannt wurde.

    Ihr größtes Werk aber schuf Hildegard Bienen in der Gemeinde St. Theresia in Essen-Stadtwald (links), für die sie einen gewaltigen Flügelaltar schuf, dessen Maße gewaltig sind. Dieser Flügelaltar, der am 31. März 1985 eingeweiht wurde , 4,00 Meter hoch ist, über 25 Bildfelder verfügt und in sieben verschiedenen Faltstellungen von 1,75 m auf 5,25 m geöffnet werden kann, wurde ihr größtes Werk. Bei einer Bibelwanderung im Jahr 2009 konnten sich die JADE-Teilnehmer von diesem Kunstwerk in der Heimatkirche von Pfarrer Patek bezaubern lassen.
     
    Nach einem erfüllten künstlerischen Leben starb Hildegard Bienen nach schwerer Krankheit am 20. März 1990 in Marienthal. Sie wurde auf dem Marien-thaler Klosterfriedhof begraben, gegenüber dem Portal der Friedhofs-kapelle, ihrem letzten großen Werk.
      
    < Portal der Friedhofskapelle
       in Marienthal
     
    Hildegard Bienens
    Grabstein in Marienthal >
     
     
    Nachfolgend möchte ich Ihnen die bisher bekannten Kunstwerke von Hildegard Bienen in der Pfarrei St. Joseph in Gelsenkirchen vorstellen:
     
     
    St. Joseph – Taufsteindeckel
     
    Der Taufstein im Mittelgang der Josephskirche stammt ursprünglich aus Thomas-Morus in Ückendorf und kam später nach St. Anna in Schalke-Nord. Zu der Zeit hatte er nur einen Holzdeckel als Abdeckung.
     
     
     
     
     
     
     
    In der Festschrift „75 Jahre St. Anna Schalke-Nord“ war dazu zu lesen:
    1986: „Ostern war der neue Taufstein fertiggestellt, ein Geschenk aus der Thomas-Morus-Kirche in Ückendorf. Die Abdeckung schuf die Künstlerin Frau Hildegard Bienen, jene Dame, die unsere Kirche mit manchen ihrer Arbeiten bereichert hat“. 
     
    Der Deckel des Taufbeckens im Mittelgang zeigt uns das Erlösungswerk Jesu Christi vom Sündenfall im Paradies über Christi Geburt, den Tod, die Auferstehung bis zur Himmelfahrt Christi. Es ist die gleiche Thematik wie in den drei Chorfenstern in St. Joseph. Das Thema passt genau zum Taufbecken, da hier sich ein Mensch auf den Weg macht, von der Geburt und Taufe über den Tod zur Auferstehung, so wie Christus diesen Weg zu unserer Erlösung ging.
      
    Sehen wir uns die einzelnen Bildsegmente einmal genauer an:
    1. Durch den Sündenfall verloren Adam und Eva und damit alle nachfolgenden Menschen das ewige Leben und wurden sterblich. Erst durch das Wirken und vor allem durch das Leiden und den Tod des Gottessohnes konnten die Menschen nach christlicher Vorstellung von der Erbsünde befreit werden.
    Wir sehen in diesem Motiv, wie Eva einen Apfel vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse  pflückt und ihn Adam reicht. Unten am Baumstamm windet sich die die Schlange der Versuchung. Links unten sehen wir noch Fische in einem der Flüsse des Paradieses und rechts unten erkennt man zwei Paradiesvögel.
     
    2. Im 2. Motiv sehen wir den 1. Schritt des Erlösungswerkes Christi – seine Geburt. Christus kam auf die Welt, um uns zu erlösen. Links sehen wir noch den Heiligen Geist, unten Ochs und Esel und rechts den Stern von Bethlehem. In der Mitte sehen wir natürlich das Weihnachtsmotiv, Maria mit dem Jesuskind auf Heu und Stroh.
     
    3. Im 3. Motiv sehen wir den 2. Schritt des Erlösungswerkes Christi – seinen Tod am Kreuze. Wir sehen den Tod Christus am Kreuz auf dem Berg Golgatha. Unter dem Kreuz sehen wir Maria, seine Mutter, und Johannes, den Evangelisten. Dieses Motiv ist identisch mit der 12. Station des Kreuzweges und zentrales Thema der Karfreitags-geschichte.
     
     
    4. Im 4. Motiv sehen wir den 3. Schritt des Erlösungs-werkes Christi – seine Auferstehung. Die Künstlerin zeigt uns hier, wie am Morgen des ersten Tages der Woche, als gerade die Sonne aufgegangen ist, die Frauen zum Grab gehen. Sie finden den Stein weggewälzt und am Grab einen Jüngling im weißen Gewand. Er tut ihnen kund, dass Jesus auferstanden ist. Wir sehen hier also die Ostergeschichte.
     
    5. Im Mittelmotiv sehen wir die Vollendung des Erlösungswerkes Christi – die Himmelfahrt. Die Himmelfahrt Christi ist die Krönung und Vollendung seines gottmenschlichen Lebens auf Erden. Auch dieses Motiv finden wir in den Chorfenstern von St. Joseph wieder, die das gleiche Thema behandeln.
     
     
     
     
    St. Anna – Altarkreuz-Hängekreuz mit Himmlischen Jerusalem
     
    Ende der 1960er Jahre musste die ehemalige St. Annakirche in Schalke-Nord dem Bau des Emscherschnellweges weichen. Der heute an der Böschung der Autobahn liegende Kirchenneubau wurde 1971 eingeweiht. Für den Neubau erhielt Hildegard Bienen den Auftrag, mehrere sakrale Bronzekunstwerke zu schaffen. Auffallend ist hier insbesondere das unüber-sehbare Altar-Hängekreuz mit einer Höhe von 2,80 Metern. Im unteren Teil sehen wir die Szene vom Tod Christi am Kreuz, unter dem Kreuz stehen Maria, seine Mutter, und Johannes. Dieses Motiv findet man auch in der 12. Station des Kreuzweges.
    Ungewöhnlich wird dieses Hängekreuz durch die oberhalb des Kreuzes angebrachte Darstellung des Himmlischen Jerusalem, einem Lieblingsmotiv von Hildegard Bienen.
     
    Das neue Jerusalem wird vom Evangelisten Johannes in der Geheimen Offenbarung im Kapitel 21,1-22,5 sehr detailliert beschrieben, die in den Abbildungen der Reliefs von Hildegard Bienen gut zu erkennen sind:                                            
    ......Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabgekommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat… Ich will dir die Braut zeigen, die Frau des Lammes. Da entrückte er mich im Geist auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem.
    Die Stadt hat eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren und zwölf Engeln auf den Toren; darauf sind Namen geschrieben: Die Namen der zwölf Stämme Israels. Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine; auf ihnen stehen zwölf Namen der zwölf Apostel. Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt. Denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher des Alls ist ihr Tempel, er und das Lamm. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr Licht spenden. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm......
     
     
    St. Anna – Tabernakel
     
    Auch der Tabernakel wurde 1971 von Hildegard Bienen geschaffen. Er zeigt Christus mit seinen 12 Aposteln (ohne Judas) beim letzten Abendmahl.
     
    Vorne links sehen wir Christus und Johannes beim letzten Abendmahl.
     
    Hildegard Bienen verwandte das Motiv des Letzten Abendmahles häufiger für die Gestaltung eines Tabernakels.
     
    Dieser Tabernakel ist aus Bronze und ca. 60 cm hoch und 40 cm breit.
     
      
    St. Anna – Ambo
     
    Für den Ambo wählte Hildegard Bienen auf der Vorderseite eine Abbildung der Bergpre-digt.
    Zentraler Teil der Bergpredigt sind die Seligpreisungen und die Goldene Regel: Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
    Die Wirkung der Bergpredigt wurde uns so überliefert: Als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der (göttliche) Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.
    Dass gerade dieses Motiv auf dem Ambo zu sehen ist, hat symbolischen Charakter, gerade die Seligpreisungen und die Goldene Regel sollten wohl die Gemeinde immer wieder an den Inhalt und den Sinn der Bergpredigt erinnern.
     
     
    St. Anna – Leuchter
    Zur Vervollständigung muss erwähnt werden, dass auch die beiden großen Leuchter von Hildegard Bienen geschaffen wurden. Wir sehen auf diesem Bild alle Gegenstände aus der Werkstatt Hildegard Bienens im Zusammenspiel: Das Altar-Hängekreuz, den Tabernakel, daneben den Leuchter für das Ewige Licht, links das Ambo und am linken Bildrand den
    Leuchter für die Osterkerze.
     
      
    St. Elisabeth – Altar-Hängekreuz
     
    Ein seltenes Kunstwerk von Hildegard Bienen, welches auch in den beiden Werkeverzeichnissen von L. Küppers (*1) und H. Dohmen (*1) nicht verzeichnet ist, ist in der St. Elisabeth-Kirche in Heßler zu sehen. Selten deshalb, weil Hildegard Bienen nur in dieser Ausnahmesituation Holz verarbeitet hat, hier ist es ein Altar-Hängekreuz in der Kombination von Eichenholz, Bronze und Bergkristallen. Sie hatte kurz zuvor von einem alten Orgelprospekt uraltes Eichenholz bekommen, dass sie hier, in Bocholt und in Essen verabeitete.
    Das Kreuz zeigt auf der Vorderseite Christi Tod am Kreuz. In den Bronzereliefs an den Enden der Kreuzbalken wird auf Vorder- und Rückseite das Erlösungswerk Christi gezeigt. Hier auf der Vorderseite sehen wir unten den Sündenfall im Paradies, ein ähnliches Motiv wie auf dem Taufdeckel in St. Joseph. Oben sehen wir das Lieblingsmotiv von Hildegard Bienen, das Himmlische Jerusalem. An den Enden der Querbalken sehen wir in 2 Bildern die große Schar aus allen Völkern, die angetan mit weißen Kleidern und Palmen in ihren Händen mit großer Stimme riefe: Heil sei dem, der auf dem Stuhl sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! (Offenb. 7.9)
    Auf der Rückseite des Kreuzes sind fünf Bronze-Reliefs zu sehen:
    Oben wird die Geburt Christi dargestellt, damit beginnt das Erlösungswerk Christi.
    Unten sehen wir Christus mit seinen 12 Aposteln beim letzten Abendmahl, als Mittelmotiv folgt das Relief mit Christus am Kreuz.  
    Das Erlösungswerk setzt sich fort mit der Auferstehung Christi, es zeigt den Engel am leeren Grab (links), und wird vollendet mit Christi Himmelfahrt (rechts).
     
    Nachsatz:
    Hildegard Bienen hat auch ihre Spuren in herrlichen Glasfenstern hinterlassen. Alleine im Ruhrgebiet finden sich Fenster in folgenden Städten und Kirchen:
    Bochum, St. Elisabeth-Hospital
    Bochum-Weitmar, Kath. Kirche St. Franziskus
    Bottrop-Batenbrock, Kath. Kirche St. Joseph
    Duisburg-Walsum, Kath. Kirche St. Dionysius
    Duisburg-Walsum-Aldenrade, Kath. Kirche St. Josef
    Duisburg-Walsum-Aldenrade, Kindergarten
    Duisburg-Walsum-Aldenrade, Maria-Regina-Pacis-Haus
    Essen-Bedingrade, Kath. Kirche St. Franziskus
    Essen-Bergerhausen, Kath. Kirche Pax Christi
    Essen-Steele-Horst, Kath. Kirche St. Joseph
    Gelsenkirchen-Buer-Erle, Kath. Kirche St. Suitbert
    Gelsenkirchen-Ückendorf, Kath. Kirche St. Josef
    Gelsenkirchen-Ückendorf, Kath. Kirche St. Thomas Morus
    Mülheim an der Ruhr, Kath. Kirche Christ König
    Mülheim an der Ruhr-Holthausen, Kath. Kirche Heilig Geist
    Oberhausen-Alstaden, Kath. Kirche St. Antonius
    Oberhausen-Alstaden, Kath. Kirche St. Hildegard am Ruhrpark
    Oberhausen-Holten, Kath. Kirche St. Johann
    Oberhausen-Osterfeld, St. Marien-Hospital
    Oberhausen-Sterkrade-Königshardt, Kath. Kirche St. Barbara
    Oberhausen-Sterkrade-Schmachtendorf, Kath. Kirche St. Theresia vom Kinde Jesu
    Oberhausen-Styrum, Kath. Kirche St. Joseph
    Recklinghausen, Kath. Kirche St. Petrus Canisius
     
     
    Eines ihrer schönsten Fenster ist jedoch in St. Paul in Bocholt zu sehen mit dem Motiv des Himmlischen Jerusalem.
     
    Hildegard Bienen hat nur wenige Werke signiert, diese aber in einer originellen Art. Ihrem Namen entsprechend wurde die Biene ihre Signatur.
    So ist die „Biene“ auf dem Bronzerelief mit der Geburt Christi in St. Paul in Bocholt und in St. Theresia in Essen zu sehen.
     
     
     
    (*1) Die meisten Werke der Künstlerin wurden in 2 Büchern beschrieben:
    Band I schrieb Professor Dr. Leonhard Küppers, Leiter der Kunstkommission des Bistums Essen und Kustos des Essener Domschatzes.
    © 1977, Verlag Aurel Bongers, Recklinghausen
    ISBN 3-7647-0300-8
     
    Band II schrieb Heinz Dohmen, Diözesanbaumeister bzw. Dombaumeister des Ruhrbistums Essen 1976–1999.
    © 1991, Verlag Aurel Bongers, Recklinghausen
    Bd. 2 Werke von 1977-1990
    ISBN 3-7647-0422-5
     
     
    SW-Foto: aus Buch: Hildegard Bienen, Bd. II
    Farbfotos: Hubert Deckers
    Texte: Hubert Deckers
    Quellen:
    Bücher Hildegard Bienen Bd. I+II
    Artikel „Harlekine + Propheten“ v. Martina Weinem
    Festschrift „75 Jahre St. Anna Schalke-Nord“
    Texte aus der Geheimen Offenbarung
    Sollten Sie Fragen oder Anregungen zu dieser Seite haben, so wenden sie sich bitte per E-Mail an:
    h-deckers(at)gmx.de   (at)=@